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Die Geschichte des Wohnens Teil 1

Die Geschichte des Wohnens

Teil 1

Wenn Bauherren heute ihre Häuser planen, dann mit dem Selbstverständnis, dass ein gewisser Grundkomfort im Standard als selbstverständlich angesehen wird. Geht man nur wenige Jahre zurück, fällt auf, was sich alleine in den vergangenen 50 Jahren hier geändert hat. Die Unterschiede zum Wohnen, damals und heute sind derart extrem, dass wir uns der Sache einmal genauer widmen wollten.

Das „Mensch-Biotop“, der Ort an dem Menschen außerhalb des Ortes, an dem sie für ihren Erwerb sorgen müssen, die meiste Zeit verbringen, ist ein sehr interessantes Beispiel für gesellschaftlichen und technischen Fortschritt. Wie Menschen wohnen war und ist immer auch ein Zeichen des Wohlstandes und des sozialen Aufstieges. Es zeigt aber auch, welche Fehler vor allem in den letzten 200 Jahren begangen wurden, mit deren Folgen nicht zuletzt unsere Kinder und Kindeskinder zu kämpfen haben werden.


Am Anfang war die Höhle

Die Geschichte des Wohnens Teil 1

Der Höhlenmensch ist ein klassisches Stereotyp, das uns gerne gezeigt wird, wenn es um das Leben in der Steinzeit geht. Fest steht: Der Mensch und sein Vetter, der Neandertaler, besaßen schon in der letzten Eiszeit kein eigenes wärmendes Fell mehr. Das bedeutet, dass er im Laufe der vergangenen Jahrtausende gelernt hat, seinen Körper auf andere Art und Weise warm zu halten. Diese ersten Menschen müssen irgendwo gewohnt haben.

Allerdings war das nur selten in Höhlen, denn die ersten Menschen waren ja nicht sesshaft. Vielmehr waren sie Jäger und Sammler, beziehungsweise nur Jäger bei den Neandertalern. Sie zogen mit den großen Herden mit. Die Höhlen waren Versammlungsorte, Kult- und Begräbnisstätten. Ein Grund, warum Forscher diese Höhlen jahrzehntelang für die Wohnorte hielten ist: Hier haben sich viele Gegenstände und Knochen gut erhalten. Höhlen, auch die kleinen, lassen sich nicht gut beheizen.

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Die kleinen Behausungen hatten thermische Vorteile, die schon damals klar waren: Mit nur einer Feuerstelle ausgestattet konnten sie ihre Bewohner angenehm wärmen. Die Bedürfnisse von Intimität, Wärme und Geborgenheit konnten auch diese kleinen Behausungen schon erfüllen, und sie hatten den Vorteil, dass man sie schnell abbauen und wieder aufstellen konnte; denn die „Arbeit“ zog ja schnell weiter. Der Gattung Homo lebte den größten Teil seiner Existenz in solchen Behausungen.

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Erst mit der Erfindung der Landwirtschaft wurden Menschen sesshaft. Vor ungefähr 12.000 Jahren zwang die ortsgebundene Landwirtschaft die Menschen dazu, über längere Zeit an einem Ort zu bleiben. In Mitteleuropa fand diese Entwicklung erst von ca. 4200 bis 4000 vor Christus statt. Damit einher ging eine komplett andere Aufgabenstellung an die Wohngebäude. Aus transportablen Wohneinheiten wurden Häuser, die für einen längeren Zeitraum genutzt wurden.

Plötzlich sahen Häuser in Europa aus wie Häuser in Europa eben aussehen: Spitzes Dach und Wände aus Holz oder Stein – allerdings noch ohne Fenster. Auch einen Rauchabzug, der den Rauch der Feuerstelle nach außen leitet, suchte man in den ersten Entwürfen vergeblich. In solchen Langhäusern, die noch heute in teilen Südostasiens oder bei der indigenen Bevölkerung Südamerikas genutzt werden, lebten Familien oder die gesamte Dorfbevölkerung unter einem Dach. Diese Behausungen boten Schutz vor wilden Tieren oder vor Menschen, die es auf das Hab und Gut anderer Familien, Dörfer oder Länder abgesehen hatten. Wärme, Gemeinschaft, Geborgenheit und Schutz!

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Die ersten „Küchen“, also reine Feuerstellen zur Nahrungsbereitung mit Mahlsteinen und anderen Werkzeugen, fand man übrigens bei Ausgrabungen nahe der Stadt Jericho. Ungefähr zur gleichen Zeit entwickelten sich auch die Lehmziegel. Sie wurden neben Holz, unbearbeiteten Bruchsteinen, Pflanzenfasern und -blättern der erste Baustoff in den frühen Siedlungen der Jungsteinzeit. Gegenüber Wänden aus ungeformtem Lehm hatten die Wände aus Ziegelstein viele Vorteile: Die Steine waren leichter zu transportieren, die Mauern wurden stabiler und benötigten bei ihrer Errichtung keine Schalung.

Die ältesten Ziegel wurden im Jahr 1952 bei archäologischen Grabungen in Jericho (7500 v. Chr.) gefunden. Die Technik des Brennens von Lehm ist ebenfalls ein alter Hut. Zwar wurden in der Jungsteinzeit noch keine Ziegelsteine gebrannt, wohl aber Gefäße. Den perfekt geformten Einhandziegel in der Proportion 1:2:4 verdanken wir übrigens den Indern. Damit bekamen Bauherren einen in jede Richtung beliebig skalierbaren Baustoff für die Ewigkeit.

Die Geschichte des Wohnens Teil 1

Die Geschichte des Wohnens Teil 1

Vier Wände und ein Dach: Endlich Schutz vor Regen, Kälte und Eindringlingen. Leider stieg im Innenraum nun die Feinstaubkonzentration. Schließlich war die Feuerstelle schon erfunden, Induktionsherd und Schornstein gab es aber noch nicht. Was also tat der Bauherr? Er schlug ein Loch in die Wand, meist in den oberen Bereichen des Hauses. Diese Öffnung beschäftigt die Menschheit bis heute. Das gute alte „Wind-Auge“ der Germanen (gotisch windauga, dänisch vindue, englisch window) wird über die Jahre zum Fenster. Erst im 14. Jahrhundert setzten sich Glasfenster in deutschen Wohnhäusern durch. Gebäudeöffnungen wurden zuvor mit transparenten Tierhäuten oder Alabaster winddicht gemacht. Das Fenster, so wie wir es heute kennen, ist in seiner „demokratisierten Variante“ eine Innovation des Spätmittelalters.

Glas war das erste Material überhaupt, das Menschen künstlich herstellen konnten. Schon um das Jahr 50 errichteten die Römer in Köln und Trier Glasmachereien. Als beinahe 600 Jahre später die ersten Fenster aus Glas entstanden waren diese natürlich zunächst den Kirchengebäuden vorbehalten. Erst hunderte Jahre und viele Weiterentwicklungen später brachte diese Innovation endlich auch Licht in die Wohnhäuser. Heute sind Fenster wahre Hightech-Wunder: Fenster mit Zweifachverglasung sind seit Ende der Siebziger in Deutschland Standard und Dreifachverglasung ist sogar noch besser. Inzwischen gibt es sogar Solar-Dioden-Fenster mit einer Sommer und Winterseite, die für Wärme im Winter oder für Kühlung im Sommer sorgen.


Fortsetzung folgt...
Der 2. Teil unserer Zeitreise macht weiter mit der Antike

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