Barrierefreies Bauen und Wohnen

9. Oktober 2021 // Bernd Dahm

Inhalt //

    Was in Zu­kunft ist, weiß kei­ner. Trotz­dem kann man die Zu­kunft pla­nen. Was ist, wenn plötz­lich durch Krank­heit oder ei­nen Un­fall Ih­re Be­we­gungs­frei­heit ein­ge­schränkt ist? Aber muss das mit in ei­ne Haus­pla­nung rein?

    Schließ­lich wol­len Sie ja ein Fer­tig­haus bau­en, kein Sa­na­to­ri­um! Dass bar­rie­re­frei­es Bau­en und Woh­nen un­ter ei­nem ganz an­de­ren As­pekt ge­se­hen wer­den kann, be­weist fol­gen­des Bei­spiel: In den 70er-Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts wur­den Roll­kof­fer zum Ver­kaufs­schla­ger. Die Ziel­grup­pe: äl­te­re Men­schen mit Be­we­gungs­ein­schrän­kung. Vie­len Äl­te­ren wer­den die häss­li­chen bun­ten Roll­kof­fer („Oma-Kof­fer“), in de­nen meist be­tag­te, äl­te­re Da­men ih­re Ein­käu­fe nach Hau­se fuh­ren, noch be­kannt sein. Heu­te sieht (und hört) man die Nach­fah­ren die­ser Roll­kof­fer an al­len Flug­hä­fen und In­nen­städ­ten. Kein Mensch wür­de sich heu­te noch ei­nen Kof­fer oh­ne die­se be­que­me und äu­ßerst prak­ti­sche Funk­ti­on ho­len. Heu­te heißt er auch nicht mehr nur „Roll­kof­fer“, son­dern „Trol­ley“ und ist zu ei­nem prak­ti­schen Life­sty­le­pro­dukt avan­ciert – ein sim­ples Bei­spiel, wie aus ei­ner „Hil­fe“ ein ganz all­täg­li­ches Pro­dukt wird, weil die Ar­gu­men­te da­für über­wie­gen. (Heu­te ver­bin­det man die­se Kof­fer auch gar nicht mehr mit der ursprünglichen Zielgruppe, sondern interpretiert hier eher den dynamischen Reisenden!).

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    Barrierefreies Bauen ist ein wichtiges Element des nachhaltigen Bauens und trägt zur längerfristigen Nutzbarkeit Ihres Gebäudes bei. Von daher haben wir großes Interesse, unsere Erfahrungen auf diesem Gebiet weiterzugeben. Es gibt viele Termini, die die ideale Planung und Ausführung von baulichen Maßnahmen beschreiben: „behindertengerechtes Bauen“, „Bauen für alle“ (auf Neudeutsch: „Design for all“) und – das halten wir für den idealen Terminus – „menschengerechtes Bauen“. Ziel ist die Unabhängigkeit in den eigenen vier Wänden, ein selbstbestimmtes Leben über einen großen Zeitraum hinweg. Dies ist insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel sehr wichtig. Ist heute etwa ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland 60 Jahre oder älter, wird in 25 Jahren voraussichtlich ein Drittel der Bevölkerung zur älteren Generation gehören. Mit offenen Worten: Es werden nicht ausreichend viele Menschen in Zukunft mehr da sein, die uns bei den täglichen Dingen des Lebens zur Hand gehen können! Deshalb macht es Sinn, sich bei der Errichtung eines individuellen Hauskonzepts auch Gedanken um diesen wichtigen Aspekt zu machen.

    Es muss ja nicht der Unfall sein, der uns in Zukunft an einen Rollstuhl fesselt. Im Alter können sich Hindernisse jedweder Art zu großen Problemen stapeln. Es sind oftmals nicht Alter und körperliche Einschränkungen, welche die selbstständige Lebensführung beenden, vielmehr ist es der ungeeignete Lebensraum. Aus diesem Grund fließen die Aspekte des barrierefreien Bauens in unsere Vorschläge gerne mit ein. Die eigenen vier Wände sind der Rückzugsort eines Menschen. Was in den Kommunen im Rahmen der „Inklusion“ momentan umgesetzt wird, soll vor Ihrer Haustür nicht halt machen. Hierbei gibt es „Standards“, die für „jeden“ gelten, der vor hat, den Rest seines hoffentlich wunderschönen Lebens in seinen eigenen vier Wänden zu verbringen.

    Barrierefreies Planen und Bauen, wie es unserer Meinung nach in jedes Einfamilienhaus gehört:

    1. Ist es möglich, das Haus mit vertikaler Einschränkung zu nutzen?

    Je­de Stu­fe in die Hö­he oder auch nach un­ten kann in Zu­kunft ein Hin­der­nis wer­den. In­wie­weit er­mög­licht der Grund­riss spä­ter die Re­duk­ti­on auf ei­ne Eta­ge? Schon an die­ser Stel­le kann die Zu­kunfts­fä­hig­keit ei­nes Ge­bäu­de­kon­zep­tes fest­ge­legt wer­den. Wenn al­le re­le­van­ten Räum­lich­kei­ten auf ei­ner Ebe­ne lie­gen, sinkt die Un­fall­häu­fig­keit im Al­ter si­gni­fi­kant. Ide­al wä­re ein bo­den­ebe­ner (schwel­len­lo­ser) Zu­gang zum Erd­ge­schoss. Hier­bei soll­ten die Räu­me so an­ge­ord­net sein, dass sie durch ge­rin­ge Um­bau­maß­nah­men neue Wohn­ein­hei­ten er­ge­ben könn­ten. Schon ge­rin­ge kör­per­li­che Be­ein­träch­ti­gun­gen kön­nen die Teil­nah­me am öf­fent­li­chen Le­ben oder das Wohl­be­fin­den in den ei­ge­nen vier Wän­den stark ein­schrän­ken. Aus die­sem Grund müs­sen in ei­nem sol­chen Fall die Be­rei­che Woh­nen, Schla­fen, Bad und Kü­che auf ei­ner Ebe­ne lie­gen. Durch die rich­ti­ge An­ord­nung der Tü­ren, Schrän­ke und tech­ni­schen Ele­men­te ist ei­ne ein­fa­che­re Nut­zung mög­lich. Das stei­gert, mal ganz ne­ben­her, auch den Wohn­kom­fort und die Le­bens­qua­li­tät – auch wenn Sie nie­mals ei­ne kör­per­li­che Ein­schrän­kung ha­ben wer­den.

    2. Planen – dass nichts im Wege steht

    Wenn heu­te Häu­ser ge­plant wer­den, ist die Raum­auf­tei­lung in der Re­gel „groß­zü­gig“. Die Be­rei­che Ko­chen, Woh­nen und Es­sen sind of­fen ge­hal­ten. Wie schön, dass bar­rie­re­frei­es Bau­en ge­ra­de „en vogue“ ist. Je we­ni­ger Tü­ren und Wän­de, des­to leich­ter fällt die Be­we­gung in den ei­ge­nen vier Wän­den. Wenn dar­auf ge­ach­tet wird, dass Tü­ren grund­sätz­lich ei­ne Brei­te von mehr als 90 cm auf­wei­sen, sind die ers­ten Fal­len aus dem Weg ge­räumt.

    3. Technik – schafft Sicherheit und Komfort

    Tech­nik von heu­te hilft den Zu­gang zur phy­si­schen Um­welt zu hal­ten. Mitt­ler­wei­le ist das Smart­pho­ne und Ta­blet zum stän­di­gen Be­glei­ter ge­wor­den. Die Steue­rung von Licht, Ja­lou­sie und Hei­zung über mo­bi­le Ge­rä­te – im Fer­tig­haus und auch au­ßer­halb des ei­ge­nen WLAN-Netz­werks – ist ab heu­te Stan­dard.

    Ein Ein­gangs­über­wa­chungs­sys­tem am rich­ti­gen Platz in­stal­liert, hilft We­ge zu spa­ren und er­höht die Si­cher­heit. Be­we­gungs­sen­so­ren schal­ten Lich­ter in Flu­ren und Räu­men au­to­ma­tisch ein. Die Schal­ter kön­nen dank Funk­tech­nik über­all dort an­ge­bracht wer­den, wo man sie hin­ha­ben möch­te. Elek­tri­sche Roll­la­den­sys­te­me er­for­dern kei­ne Kraft. Über­haupt gibt es viel, was man zum all­ge­mei­nen Wohn­kom­fort hin­zu­fü­gen kann. Der Preis ist hier­bei deut­lich ge­rin­ger als noch vor Jah­ren. Was frü­her Lu­xus war, ist heu­te Trend.

    4. Bauliche Besonderheiten im Einzelfall

    Ne­ben den oben auf­ge­zähl­ten Kri­te­ri­en ha­ben wir aber auch Er­fah­run­gen in ganz spe­zi­el­len Fäl­len ma­chen dür­fen. Bar­rie­re­frei Bau­en hieß dann für uns: auf die spe­zi­el­len Be­dürf­nis­se und An­for­de­run­gen hin pla­nen. Hier­für sind bau­lich ei­ni­ge Din­ge zu be­ach­ten. In der Norm DIN 18040 für bar­rie­re­frei­es Bau­en sind die wich­tigs­ten Wer­te und Er­fah­run­gen zu­sam­men­ge­fasst.

    1. Vorrüstung für Haltegriffe. Ein Ausstattungsmerkmal eines barrierefreien Fertighauses von ALBERT ist die bauseitige Vorrüstung für die Installation von Haltegriffen (Bad, WC, aber auch in anderen Räumen).
    2. Türen breiter als 110 cm für das Rangieren von Pflegebetten.
    3. Schwellenloser Zugang zum Fertighaus durch die Runduminstallation von Bodeneinlaufrinnen. Dadurch werden Stolperfallen und Hindernisse durch Randsteine und dergleichen vermieden.
    4. barrierefreie Küchen – als Komplettangebot
    5. Carport am Eingangsbereich, das einen Ein- und Ausstieg im Trockenen ermöglicht.

    Nun stellt sich bei aller Planung die Frage nach den Kosten.

    Na­tür­lich gibt es bar­rie­re­frei­es Woh­nen nicht zum Null­ta­rif. Wenn bei­spiels­wei­se nur auf ei­ner Eta­ge ge­baut wird, ist fol­ge­rich­tig ein grö­ße­res Grund­stück von­nö­ten, um die be­nö­tig­te Flä­che auf ei­ner Ebe­ne rea­li­sie­ren zu kön­nen. Brei­te­re Tü­ren kos­ten je­doch nur ge­ring­fü­gig mehr als der Stan­dard. Die Vor­be­rei­tung für Hand­grif­fe und ent­spre­chen­de Hil­fen ist ei­ne Fra­ge der Pla­nung und Kal­ku­la­ti­on. Al­les an­de­re je­doch ist ei­ne Fra­ge der An­ord­nung, der Ide­en und Er­fah­run­gen. Je­der muss selbst wis­sen, ob ihm die­ser As­pekt für sei­ne Zu­kunft wich­tig ist. Al­ler­dings: Am Bei­spiel des „Oma-Kof­fers“ kann man er­ken­nen, dass et­was, was viel­leicht heu­te „merk­wür­dig“ wirkt, mor­gen schon so ins all­ge­mei­ne Le­ben ge­hört, dass man sich nicht vor­stel­len kann, es je noch ein­mal zu ver­mis­sen.

    AL­BERT Haus hat Er­fah­rung mit der Pla­nung und dem Bau bar­rie­re­frei­er Häu­ser. Wir ver­fü­gen über ein Kom­pe­tenz­netz­werk aus Lie­fe­ran­ten, Hand­wer­kern und auch Kun­den, die sich an­bie­ten, ih­re Er­fah­run­gen zum The­ma „bar­rie­re­frei­es Bau­en“ ger­ne mit Ih­nen zu tei­len. Wenn Sie wei­ter­füh­ren­de Fra­gen ha­ben, nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wir wer­den uns um Ih­re Wün­sche und Be­dürf­nis­se ger­ne küm­mern.

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